Was Dein Musikvideo kosten wird | Hier gibt’s konkrete Zahlen

Titelbild Musikvideo zum Song Cup of Black Tears von Maja Roedenbeck

Es ist schwer, Infos dazu zu finden, was ein Musikvideo kostet. Die allermeisten Videoproduzenten schreiben auf ihren Webseiten, dazu könne man keine Angaben machen, weil der Preis je nach Aufwand sehr stark variiert. Das stimmt sicher, aber für die normalen Ansprüche eines aufstrebenden Musikers vor seinem ersten Musikvideo Projekt kann man durchaus konkreter werden.

Ein aufwändiger Dreh in der Wüste wie in Lady Gaga‘s 911 geht bestimmt in die Hunderttausende, während Du einem befreundeten VJ fairerweise ein symbolisches Honorar von 300 bis 500 Euro geben solltest, wenn er Dir bei Deinem Songprojekt hilft. Bei einer selbstgemachten Aufnahme zu Hause wie dieser hier bewegt man sich in einem ähnlichen Rahmen:

Doch das ist es ja eigentlich nicht, was Du als Einsteiger in Sachen Musikvideo wissen willst. Der Wüstendreh ist sowieso völlig illusorisch und selbst gemacht hast Du bisher alles. Jetzt möchtest Du es professioneller, aber in einem kalkulierbaren Rahmen angehen. Und da kommen wir, wie ich finde, am besten mit konkreten Beispielen voran.

Ein erster Richtwert zu den Kosten für ein Musikvideo

Bei einem erfahrenen Videojournalisten / -produzenten, der alleine ohne weitere Assistent:innen antritt, kann man grob mit 800 bis 1.000 Euro Honorar für einen Dreh- oder Schnitttag rechnen (alle Zahlen ab hier netto, also die Mehrwertsteuer kommt noch dazu). Für ein einfaches Video entweder nur mit einer Bühnenaufnahme ODER mit Story-Szenen braucht man einen Dreh- und einen Schnitttag, also ist man bei 1.600 Euro.

Weitere Kosten können entstehen durch Equipment, Assistenten, Location-Miete, Catering, Requisiten, Anreise und vieles mehr. Dazu gibt es einen ausführlichen und lesenswerten Artikel von Musikvideoproduzent Toby Wulff. Er erklärt darin, 1.500 Euro seien schon verbraucht, wenn der Aufnahmeknopf der Kamera zum ersten Mal gedrückt werde.

Und was heißt das jetzt konkret?

Wenige Dienstleister werden auf ihrer Website konkret. Die meisten möchten erstmal Deine Anfrage bekommen. Das Problem ist, dass Du dann also eine Anfrage stellst („Was kostet bei euch ein Musikvideo?“) und vom Dienstleister eine von diesen beiden Rückfragen erhalten wirst:

  1. Wie hoch ist denn Dein Budget? Gerne sage ich Dir, was Du dafür bekommen kannst!
  2. Was für ein Video stellst Du Dir denn vor?

Wenn Du überhaupt keine Ahnung hast, von welchem Rahmen man hier spricht, blamierst Du Dich entweder mit einer zu niedrigen Budgetangabe (denn natürlich hoffst Du auf unter 1.000 Euro) oder mit wilden Ideen für ein tolles Video, die jenseits jeder Machbarkeit im Rahmen eines Privatbudgets liegen und Dir am Ende einen Kostenvoranschlag von 10.000 Euro bescheren. Also kommst Du doch nicht drumherum, vorher zu kalkulieren.

Preisangaben zum Musikvideo von verschiedenen Dienstleistern

Die professionelle Aufnahme einer Performance auf einer Bühne („Session Video“) kostet beispielsweise bei dem Anbieter SILENTFILM, für den ich mich am Ende entschieden habe, ab 1.000 Euro netto. Ab 2.500 Euro gibt es ein Musikvideo mit 2 Drehtagen, zum Beispiel 1 Tag Live-Performance und 1 Tag Story-Szenen oder 2 Tage Story-Szenen an verschiedenen Locations. Verschätzt euch da nicht, es dauert beim Dreh alles viiiiieeeeel länger als man denkt, selbst für einen 3-Minuten-Song.

Der Anbieter Trust ART Filmproduktion Berlin nennt auf seiner Website eine Preisspanne von etwa 2.000 bis 10.000 Euro. Für ein „konzeptionell durchgearbeitetes Musikvideo mit mehreren Locations und mehr als einem Drehtag, den dazugehörigen Schnitttagen und einer angemessenen Aufnahmetechnik“ fallen ab 4.000 Euro an.

Der Anbieter Mainfilm kalkuliert für ein „einfaches Musikvideo“ ab 5.000 Euro. Beim Anbieter BEATVIDEO geht es dagegen schon ab 990 Euro los für 2 Stunden Vorgespräch, 3 Stunden Dreh, technische Ausrüstung und Videoschnitt mit einer Korrekturschleife. Das klingt verlockend, aber ein guter VJ, der seriös und nicht selbstausbeuterisch kalkuliert, kommt einfach auf die oben genannten Tagessätze von 800 bis 1.000 Euro. Für mein wirklich sehr schlicht gehaltenes Musikvideo, das ich euch gleich vorstellen werde, haben wir eine ganze Woche lang immer wieder Vorgespräche geführt, vom Kennenlernkaffee bis zur Detailplanung, und wir haben 8 Stunden gedreht. In zwei Stunden Vorgespräch und drei Stunden Dreh schafft man definitiv kein spannendes, individuelles Musikvideo.

Wie Du den besten Videoproduzenten auswählst

Die Qual der Wahl liegt bei Dir. Achte bei der Auswahl des Dienstleisters unbedingt darauf, dass er nicht nur irgendwelche tollen Videos, sondern ganz konkret tolle Musikvideos als Referenzen im Portfolio hat. Am besten auch noch konkret aus Deinem Musikgenre. Und dass Du irgendetwas Besonderes in den Filmen findest, das sie einzigartig macht, von anderen abhebt und Dir im Gedächtnis bleiben lässt. Für mich war es dieses Video von dem Produzenten meiner Wahl, an dem ich hängengeblieben bin, weil es mich trotz seiner Schlichtheit total fasziniert hat.

Ein Musikvideo ist eine eigene Kunstform, die nicht jeder beherrscht, der mit einer Kamera umgehen kann. Und ein:e Spezialist:in für Rap und Hip Hop Songs kann sich in Deinen Singer-Songwriter Lovesong vielleicht nicht so gut reindenken.

Die Audioaufnahme separat kalkulieren

Wenn Du Dich nicht für ein Session Video entscheidest (gefilmt bei einem Auftritt, der Videoproduzent ist für gute Bilder UND guten Ton zuständig), musst Du die Audio-Musikproduktion (Recording, Mixing, Studiomusiker) separat kalkulieren. Das ist dem Videoproduzenten sowieso am liebsten, denn er bekommt den fertigen Song vor dem Dreh und kann sich sehr konkret um die passenden Bilder kümmern. Auf jeden Fall ist ein professionelles Musikvideo mit einem nur halbguten (selbstgemachten) Audiotrack sinnlos. Insofern kommen da auch nochmal Kosten auf Dich zu.

Achte darauf, dass Du ein richtiges Tonstudio für Musiker wie beispielsweise The Famous Gold Watch Audio Visual Recording Studios in Berlin buchst und nicht aufgrund günstiger Preise auf einen Anbieter hereinfällst, der sich eher auf Junggesellenabschiede oder Kindergeburtstage spezialisiert hat (Spaß-Song schreiben, aufnehmen und Limo/Bier trinken, alles in vier Stunden Studiozeit).

Durch diese Aspekte habe ich Kosten gespart

So, nun zu meinem konkreten Beispiel, mein Musikvideo für meinen Song Cup of Black Tears:

Musik video by Maja Roedenbeck Schäfer performing Cup Of Black Tears © 2021 Maja Roedenbeck Schäfer

Ich hatte auch kein Riesenbudget zur Verfügung. Ich kam also nicht darum herum zu überlegen, auf welchen Aufwand ich verzichten kann. Drohnenaufnahmen oder ähnliche Spezialeffekte, die heute gerne eingesetzt werden, hatte ich sowieso nicht geplant. Folgende Aspekte haben dazu beigetragen, Kosten zu sparen:

  • Wir haben nur in einer einzigen Location gedreht, und zwar in einer privaten Location im Bekanntenkreis. Miete kostete sie nicht, sondern nur ein kleines finanzielles Dankeschön. Wir hatten uns auch Lofts auf AirB’n’B angeschaut, doch da ging die Tagesmiete ab 500 Euro los.
  • Ich habe keine echte Live-Performance vor der Videokamera gemacht. Bei der es darauf angekommen wäre, richtig gut Gitarre zu spielen und zu singen. Stattdessen habe ich zum Playback der fertigen Audioaufnahme gespielt und gesungen. Wir haben eigentlich die wenigste Zeit mit diesen zwei Szenen verbracht. Auf dem Boden in einem weißen Raum sitzend und auf dem Bett sitzend von hinten zu sehen.
  • Wir haben darauf verzichtet, die Studiomusiker, die ich für die Audioaufnahme dazugeholt hatte, im Video zu zeigen. Für die einsame und traurige Stimmung in meinem Song war das sowieso besser.

Weitere kostensparende Faktoren

Es gab noch mehr kostensparende Faktoren:

  • Ein Visagist oder Make up-Profi war beim Dreh nicht dabei, wobei mich das durchaus Überwindung gekostet hat. Man sieht mich im Video schließlich in Nahaufnahme und an einem langen Drehtag lässt auch das gut vorbereitete Make up irgendwann nach. Wenn ich etwas mehr Geld zur Verfügung hätte, wäre das der erste Punkt, den ich beim nächsten Mal anders machen würde.
  • Die Idee für das Filmkonzept habe ich bereits mitgebracht. Wir mussten nicht beim ersten Brainstorming, sondern konnten gleich bei den Details einsteigen. Wobei ein fertiges Filmkonzept nur Kostensparen hilft, wenn die Idee praktikabel und realistisch ist. Dazu muss Vorerfahrung in Sachen Videoproduktion vorhanden sein. Das ist bei mir durch meinen Hauptberuf der Fall.

Bei diesen Aspekten habe ich keine Kompromisse gemacht

Was ich auf keinen Fall wollte, war, dass mein erstes Musikvideo irgendwie peinlich wird. Wenn ich mir schon einen langgehegten Traum erfülle, dann richtig. Auch wenn folgende Faktoren preistreibend waren, habe ich nicht darauf verzichtet:

  • Ich habe einen absoluten Profi mit Profiausrüstung, zwei Assistenten, eigenem Cutter, etc. gebucht. Statt eines Allrounders, der alles als One-Man-Show mit gemieteter Technik erledigt. Er hat schon Musikvideos für Universal gemacht und Filme für Arte gedreht. Ausschlaggebend für meine Wahl waren zwar vor allem die Instant-Sympathie und die gleiche kreative Wellenlänge und nicht die Referenzen. Aber letztendlich ist es nicht verwunderlich, dass es gerade ein Profi ist, der sofort versteht, was ich mir für mein Musikvideo vorgestellt habe.
  • Ich habe ein individuelles Videokonzept umsetzen lassen, das in Sachen Bildsprache & Story speziell auf meinen Song zugeschnitten ist. Statt der schrecklichen Mischung aus Barde im Kornfeld plus Drohnenaufnahmen von Landschaften, die ich auf der Suche nach einem Musikvideoproduzenten so häufig gesehen habe.

Und das hat mein Musikvideo am Ende gekostet

Hier stelle ich euch transparent die Kosten für mein Musikvideo zusammen:

  • Recording & Musikproduktion (2 Tage im Tonstudio): 520 Euro brutto
  • Honorar für Studiomusiker: 600 Euro
  • Filmproduktion (1 Drehtag, Schnitt, Farbkorrektur): 2.023 Euro brutto
  • Location: 100 Euro
  • Requisiten (Kleidung, Textilien, schwarze Lebensmittelfarbe, schwarze Seife): 83 Euro

Gesamtkosten für mein Musikvideo: 3.326 Euro