Richtig gut Gitarre spielen: Der Atem und sein Einfluss auf den Klang

Richtig gut Gitarre spielen: Das Atmen und sein Einfluss auf den Klang

Der Mensch neigt dazu, wenn er sehr konzentriert ist, die Luft anzuhalten. Oder nur noch sehr oberflächlich einzuatmen und irgendwann zu viel Luft im Brustkorb zu haben. Auf diese Weise wird aus Konzentration ganz schnell Anspannung. Und wenn Du angespannt bist, kannst Du nicht schön Gitarre spielen. Also musst Du Dich, wenn Du einen schönen Klang erzeugen willst, unbedingt auch mit dem richtigen Atmen beschäftigen.

Bevor Du beginnst, Dein Stück auf der Gitarre zu spielen, atme ein-, zweimal tief in den Bauch ein und aus. Dann hole ein letztes Mal ruhig und nicht allzuviel Luft. Wenn das Stück auf dem ersten Schlag des Taktes beginnt, spielst Du die ersten Noten ins Ausatmen hinein. Wenn es mit einem Auftakt beginnst, spielst Du die ersten Noten ins Einatmen hinein und atmest ab dem ersten Schlag im ersten vollen Takt aus.

Richtig atmen ist nicht nur was für klassische Musik

In diversen YouTube-Videos kann man beobachten, wie die großen Meistergitarristen es genauso machen. Und was für die großen Meister funktioniert, funktioniert auch für Dich, und zwar auch, wenn Du keine klassische Gitarre und keine Stücke von Bach spielst. Du willst ja trotzdem beim Spielen nicht verkrampft, sondern locker aussehen. Beim Yoga macht man es übrigens genauso: die Anstrengung wird ins Ausatmen hinein unternommen.

Achte auch in einer Übungssession darauf, dass Du sorgfältig atmest, nicht nur beim Vorspielen. Nur so kannst Du Dir das angewöhnen und auch in aufregenden Situationen wie auf der Bühne auf die Technik zurückgreifen. Wenn Du Dich zum Beispiel verspielst und neu ansetzt zu spielen, tue das nie, ohne den Klang der Saiten mit dem Handballen gestoppt, Deine Lunge geleert und neu Luft geholt zu haben.

Nicht nur für Anfänger wichtig

Verkrampftes Atmen ist nicht nur ein Anfängerfehler. Auch Fortgeschrittene sollten sich klarmachen, dass es für das Gehirn sehr schwierig ist, die geradezu gegensätzlichen Befehle, die der Gitarrenspieler ihm mitteilt, zu verarbeiten.

Die linke Hand soll drücken, die rechte Hand soll sich bewegen. Von beiden Händen soll viel Kraft auf das Instrument angewandt werden, doch der restliche Körper soll locker bleiben und der Atem ruhig fließen. Nicht wie beim Sportler, der Kraft anwendet und dabei aber auch eine erhöhte Atemfrequenz annehmen darf. Die Kombination aus ruhigem, meditativem Atmen und arbeitenden Händen muss immer wieder ganz bewusst geübt werden.

Atemmediation statt Einkaufszettel

Bei jedem Stück kommt man irgendwann an den Punkt, dass man es so gut beherrscht, dass beim Spielen die Gedanken abzuschweifen drohen. Das ist  genau der richtige Zeitpunkt, um sich auch über das Atmen Gedanken zu machen. Abgesehen davon, dass es nie zielführend ist, unfokussiert vor sich hin zu spielen, wenn man besser werden will, ist es erst recht nicht zielführend, beim Gitarre Üben an den Einkaufszettel zu denken. Dann mache lieber eine Atemmeditation und achte während des gesamten Stückes darauf, tief und regelmäßig in den Bauch zu atmen, besonders bei den schweren Stellen.

Stell Dir vor, Du stehst am Meer und nimmst die Energie der Luft auf, um sie an Deine Musik weiterzugeben. Ein regelmäßiger, tiefer Atem lässt das Stück besser fließen. Es klingt dann mehr Legato. Das richtige Atmen sorgt dafür, dass die Musik nicht nur durch Dein Instrument, sondern auch durch Dich hindurch fließen kann. Die Barriere wird aufgehoben und Du verschmilzt mit der Gitarre und der Musik.

Titelbild: Robert Pastryk, pixabay.com

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